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Der übernationale Frauenhandel basiert auf Angebot und Nachfrage von Entsendungs- und Zielländern. Länder mit entwickelten Sexindustrien, in denen eine Nachfrage entsteht, nennt man Zielländer. Entsendungsländer sind Länder, in denen Händler Frauen anwerben.

Deutschland ist sowohl Ziel- als auch Transitland für Frauenhandel.

Ausländische Frauen werden dementsprechend nach, von und durch Deutschland gehandelt - mit Methoden, die modernen Formen der Sklaverei entsprechen. Anwerber, Händler und Zuhälter, die sich zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung am Frauenhandel beteiligen, haben gemeinsame Arbeitsmethoden entwickelt.

Eine Anwerbemethode sind Zeitungsanzeigen, die lukrative Arbeitsmöglichkeiten im Ausland anbieten. Dabei geht es um niedrig qualifizierte Jobs, z.B. als Kellnerin, Reinigungskraft, Hausangestellte, Krankenschwester oder Tänzerin. Für die Frauen wird ein Trip nach Deutschland samt Bereitstellung von Visum und Pass "organisiert". Die Frauen müssen sich für den Trip stark verschulden, und innerhalb kurzer Zeit erhöhen sich die Schulden derart, dass eine Rückzahlung unmöglich wird.

Bei einer anderen Anwerbemethode spielen "Heiratsagenturen" eine entscheidende Rolle. Diese arbeiten zum Großteil über das Internet und eine Verbindung zur Sexindustrie wird auf verschiedene Arten hergestellt. Entweder sind die Anwerber selbst Händler oder sie arbeiten direkt mit Händlern zusammen. Die Frau trifft sich mit einem Mann, der ihr eine Heirat zu einem späteren Zeitpunkt verspricht. Über einen kurzen Zeitraum nutzt der Mann die Frau zunächst selbst aus, bevor er sie zur Prostitution zwingt oder direkt in einem Bordell abliefert. Die derzeitige Gesetzeslage untersagt die Migration von Personen, die keine EU-Mitglieder sind. Die Frauen nutzen eine Heirat als letzten Ausweg, um nicht illegal in Deutschland leben und arbeiten zu müssen. Im Bereich der Prostitution verringert sich durch eine Heirat die Gefahr, bei Razzien und Kontrollen entdeckt zu werden. In der Regel sucht die Polizei nach Frauen ohne Aufenthaltserlaubnis bzw. nach Frauen mit abgelaufenen Dreimonatsvisa (das betrifft in erster Linie Staatsbürgerinnen aus Bulgarien, Rumänien, Litauen, Lettland und Estland).

Außerdem werden Frauen häufig von Freunden oder Bekannten angeworben, die ihr Vertrauen gewinnen. Ein weiteres bekanntes Phänomen ist die so genannte "zweite Welle": Die gehandelten Frauen kehren nach Hause zurück, um andere Frauen anzuwerben - und dadurch selbst der Brutalität zu entgehen. Sie werden von Opfern zu Täterinnen und können auf diese Art ungewollten Sex mit mehreren Männern am Tag vermeiden. Laut eines Berichts sind 70 % der Zuhälter Frauen.

Händler verwenden Gewalt, Drohungen und andere Druckmittel, um die Frauen zu einer Arbeit gegen ihren Willen zu zwingen. Sie schränken die Bewegungsfreiheit ihrer Opfer ein und zwingen sie viele Stunden unter gefährlichen Bedingungen zu arbeiten. Auch wenn die Frauen wissen, dass sie als Prostituierte enden werden, haben sie keine Vorstellung davon, was sie wirklich erwartet.

Es ist zudem darauf hinzuweisen, dass viele Frauen schwere gesundheitliche Probleme haben. Viele von ihnen leiden an Infektionskrankheiten, sexuell übertragenen Krankheiten, Verletzungen durch Gewalteinfluss, Drogen- und Alkoholabhängigkeit, Depressionen und anderen mentalen Gesundheitsproblemen infolge des Traumas.

Deutschland ist eines von mehreren Ländern in Westeuropa, das Daten zu Opfern des Menschenhandels sammelt. 99.7 % aller beim Bundeskriminalamt (BKA) registrierten Opfer des Menschenhandels sind Frauen. Im Jahre 2001 registrierte das BKA 987 Opfer des Menschenhandels, die durch Polizeiuntersuchungen von mutmaßlichen Fällen des Menschenhandels nach deutschem Recht ermittelt wurden. In Wirklichkeit werden jedoch viel mehr Frauen nach Deutschland gehandelt, als aus den vorstehenden offiziellen Angaben hervorgeht. Jahrzehntelang galten asiatische Länder, z.B. Thailand und die Philippinen, als primäre Entsendungsländer - bis die radikalen politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in vielen mittel- und osteuropäischen Ländern einen Pool von Millionen von Frauen entstehen ließen, aus dem die Händler anwerben können.

Eine beträchtliche Anzahl von gehandelten Frauen, die nach Deutschland kommen, stammen aus der Ukraine, aus Bulgarien, Russland, Weißrussland, Litauen und Rumänien. Viele davon sind alleinstehende Frauen, die das wirtschaftliche Überleben ihrer Familien sichern wollen. Einige Frauen haben schon in ihren Heimatländern als Prostituierte gearbeitet. Nach langen Gesprächen mit den Frauen konnte festgestellt werden, dass immer mehr Frauen sich schon vor Verlassen ihres Heimatlands über ihre zukünftigen Jobs in der Sexindustrie bewusst waren.

Hier einige statistische Daten aus dem BKA-Jahresbericht 2001:

  • das Alter der meisten gehandelten Frauen lag zwischen 15 und 30;
  • Frauen aus Litauen und Lettland waren in der Regel jünger als 21;
  • Frauen aus der Ukraine waren in der Regel älter als 21;
  • 47.7 % der gehandelte Frauen kamen legal nach Deutschland;
  • 52 % der gehandelten Frauen überquerten die Grenze illegal;
  • 24.4 % der Migranten kamen mit dem Bus oder Zug;
  • 26.4 % der Frauen kamen mit dem Auto ins Land;
  • 45.2 % von 414 befragten Frauen wurden durch Gewalt, Folter, Vergewaltigung und Einschüchterung zur Prostitution gezwungen;
  • 54.9 % von 288 gehandelten Frauen waren enttäuscht und mit einem Job in der Sexindustrie nicht einverstanden;
  • 31.8 % von 288 gehandelten Frauen waren mit einem Job im Bereich der Prostitution einverstanden.


Die meisten Frauen sind weder über die gesetzlichen Konsequenzen einer Verletzung des Ausländergesetzes noch über die schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen informiert. Einige Händler verwenden die rechtlichen Dokumente und Touristenvisa der Frauen, um eine legale Einreise nach Deutschland zu ermöglichen. In anderen Fällen erhalten die Frauen falsche Dokumente und sind somit nach ihrer Ankunft in Deutschland - aufgrund ihres illegalen Status - noch schutzloser. Gehandelte Frauen leiden doppelt - zum einen als Opfer des Menschenhandels und zum anderen als ausländische Bürgerinnen mit falschen Dokumenten. Ihr gesetzloser Status kombiniert mit dem Informationsmangel und der Sprachbarriere setzt die Frauen unter einen enormen psychologischen Druck. Wenn sie die Polizei entdeckt, werden sie verhaftet und ausgewiesen, es sei denn sie sagen gegen ihre Händler aus.